Wahlprogramm 2017

Präambel

Wir als grün alternatives Wahlbündnis verstehen uns als linke, antifaschistische, ökologische Gruppe. Als unabhängige Liste beziehen wir keine Gelder von anderen Institutionen oder Verbänden. Unser Anliegen ist es vielen Menschen einen unkomplizierten Zugang zur Hochschule zu ermöglichen. Dafür müssen sowohl die Hürden bei der Zulassung als auch räumliche Barrieren abgebaut werden.
Anregungen zu kritischem und eigenständigem Denken sowie zu einem bewussten Umgang mit endlichen Ressourcen sind nach unserem Verständnis Teil eines universitären Studiums.

 

Nachhaltigkeit und Ökologie

In der jetzigen Legislatur konnten wir erreichen, dass es erstmals ein eigenes Referat für Nachhaltigkeit und Ökologie im AStA gibt. Wir haben uns einen Überblick verschafft, an welchen Stellen noch dringend Nachholbedarf an der Uni ist. In Zukunft wollen wir, dass Kompetenzen in einem Green Office an der Uni gebündelt werden. Hierfür haben wir im AStA 6000 Euro für die ersten Schritte bekommen. Auch im nächsten AStA wird es mit uns ein Referat für Nachhaltigkeit und Ökologie geben, dann soll jedoch der Fokus auf neue Aspekte wie Konsumkritik oder Postwachstumskritik gelegt werden.
Für uns ist es nicht ersichtlich, wieso Mülltrennung an der Universität so lax gehandhabt wird. Wir fordern ein Umweltmanagementsystem und Umweltleitlinien für die Uni!
Nach wie vor wollen wir einen Campus-Garten. Die Planungen für die Neugestaltung des Campus AR, aber auch die neuen Möglichkeiten in der Stadt, sind eine Chance hier für. Für die Gestaltung der sogenannten „grünen Mitte“ muss auf eine ökologische Bepflanzung geachtet werden!
Des Weiteren fordern wir, dass auf den neuen Gebäuden Anlagen für regenerative Energien angebracht werden. Wir fordern auch Ökostrom für die Uni!
Ebenso wollen wir, dass ein Studium Generale für die gesamte Uni eingeführt wird. Ein Modul „Studium Oecologicum“ soll hier integriert werden. Dass es hier eine Nachfrage gibt, zeigt die von uns im AStA organisierte Ringvorlesung.
Die Angebote der Mensa, Cafeteria und des Bistros sind bereits gut und besser als an anderen Universitäten. Dennoch sehen wir hier noch Ausbaumöglichkeiten z.B. im Angebot von veganem und laktosefreiem Essen außerhalb der Mensa.

 

Politische Bildung, Kultur und Partizipation stärken

Wir haben unseren Fokus in dieser Legislatur auf politische Veranstaltungen gelegt, die für uns einen wichtigen Teil des Referats für Kultur und politische Bildung ausmachen. Uns ist wichtig, dass Studierenden die Kulturlandschaft Siegens zugänglich gemacht wird und es nicht mehr länger heißt „In Siegen ist eh nichts los“. Siegen hat ein vielfältiges Angebot, es muss nur sichtbarer werden. Wir fordern seit Jahren ein Kulturticket für Studierende. Für die Einführung eines solchen Tickets könnt ihr während der Wahlwoche bei einer Urabstimmung abstimmen. Uns ist es wichtig, dass Kultur nicht mit Bespaßung gleichgesetzt wird, aber auch ein weiter Begriff von Kultur angelegt wird. Wir wollen keine Unternehmen unterstützen, die nur sich bereichern wollen, sondern kleine Kulturbetriebe attraktiver machen.

Nein zu Studiengebühren! Es sieht aus als ob diese leider in absehbarer Zeit wieder Teil des studentischen Alltags werden. Nachgelagert oder nicht – Wir lehnen entschieden jede Form von Studiengebühren ab! Bildung muss kostenlos für alle sein und darf sich nicht wirtschaftlichen Interessen unterordnen! Bildungschancen dürfen nicht vom Geldbeutel abhängig sein! Deswegen fordern wir auch die Anpassung des BAföG-Satzes mindestens an die Inflationsrate, sowie die Einführung eines elternunabhängigen BAföGs. Ähnliches gilt für die Neuregelungen zu VG-Wort. Studierende müssen weiterhin Kopieren und Scannen können, ohne zurück ins digitale Mittelalter zugehen! Open Access und Digitalisierung müssen ausgebaut werden. Für viele Fächer ist es schlicht nicht möglich auf digitalisierte Texte zu verzichten.
Vermehrt wurden zu Letzt keine Räume für Veranstaltungen vergeben, die zu kritisch erschienen sind. Wir fragen uns, wo wenn nicht an einer Universität sollten Veranstaltungen die von Studierenden organisiert werden, Raum haben, solange sie den Grundsätzen der Verfassten Studierendenschaft entsprechen! Studis müssen die Möglichkeit haben, sich auch über den Uni-Tellerrand hinaus zu bilden!

Wir können in unserer Arbeit oft die Transparenz von Gremien und Entscheidungen nicht einschätzen: Drittmittel müssen offengelegt werden, sowie die Protokolle aller Sitzungen! Wir, die Studierenden der Uni Siegen, haben das Recht darauf, dass Entscheidungen gemeinsam MIT uns getroffen werden, denn wir sind die größte Statusgruppe. Es geht nicht nur darum die Zukunft menschlich zu gestalten, sondern vielmehr darum auch in der Gegenwart ein selbstbestimmtes Studium zu ermöglichen.
Selbstbestimmung sollte dabei aber nicht nur eine weitere Floskel sein, die die Uni für sich verwendet. Wir fordern ein uniweites Studium Generale, damit alle Studierende Wahlmöglichkeiten haben und sich, ganz auf die eigenen Bedürfnisse ausgerichtet, Kurse aussuchen können. Es ist nicht hinnehmbar, dass die Kursanmeldung nur möglich ist, sobald der Semesterbeitrag überwiesen ist. Viele Studierende können wegen ihrer finanziellen Situation nicht fristgerecht überweisen. Kursanmeldungen müssen vorher möglich sein! Mehr Gestaltungsraum für alle muss möglich sein! Unser Studium sollte sich durch Freiheit und Wahl auszeichnen, nicht durch Verschulung und Zwang! Die Abschaffung der Anwesenheitspflicht muss endlich eingehalten werden!
Die studentischen Initiativen und Autonomen Referate bereiten jedes Semester ein vielfältiges Programm vor. Es gilt, dieses sichtbarer zu machen. Das Referat für Interne Koordination im AStA ist ein wichtiger Anfang, jedoch sollten die Initiativen und Referate auch abseits des AStA und der AFsK eine Plattform erhalten, um sich auszutauschen. Dafür werden wir zu Beginn der kommenden Legislatur alle Initiativen und Referate anfragen, um gemeinsam die Rahmung dieser Plattform zu klären. Zudem soll ein Leitfaden „Wie werde ich studentische Initiative?“ erstellt werden, um neue Initiativen in ihrer Gründung zu unterstützen. Die Studierendenschaft kann nur gemeinsam etwas verändern! Deshalb ist es wichtig, dass der AStA Hand in Hand mit den Fachschaftsräten, Initiativen und Referaten zusammenarbeitet. Wir sehen auch hier noch Verbesserungspotenzial für die kommende Legislatur! Doch nicht nur die Vernetzung nach innen, auch die Sichtbarkeit der Referate nach außen ist wichtig, deswegen wollen wir einen Markt der Möglichkeiten, zusätzlich zum Sommerfest der Verfassten Studierendenschaft.
Wohnen, Mobilität und neuer Campus

Langfristig wird sich einiges an unserer Uni ändern. Nicht nur die Interimslösung, die Renovierung am AR-Campus, sondern auch die Zeit danach mit neuen Lösungen auf dem Berg und in der Innerstadt, werden prägend. Bereits durch den Campus Unteres Schloss hat sich das Bild der Oberstadt verändert. Hier liegt die Verantwortung bei Stadt und Universität, dass vorhandene Geschäfte nicht verdrängt werden und Mieten nicht weiter steigen. Wir fordern angemessene und bezahlbare Mieten, ausreichend und erreichbaren Wohnraum und den Erhalt der Gewerbetreibenden und den damit verbundenen Arbeitsplätzen in Siegen. Wir sind gegen eine Gentrifizierung der Oberstadt. Bei der Gestaltung des zukünftigen Campus für die Fakultäten I und II in der Innenstadt muss auf ausreichend Platz für studentische Räume geachtet werden und es muss die Versorgung der Studierenden durch eine Mensa gewährleistet sein. Diese ist bereits geplant. Für uns ist es nicht verständlich, wieso dieses nicht für die Studierenden, die bereits am Unteren Schloss Vorlesungen haben umgesetzt wurde. Es kann nicht sein, dass ca. 5000 Studierende keinen Zugang zu günstigem Essen haben!
Durch den Umzug der Universität in die Stadt muss auch über einen W-LAN-Ausbau in der Innenstadt nachgedacht werden, wie es in vielen anderen Städten bereits üblich ist! Wir setzen uns für den Ausbau und die Verbesserung des W-LANs an allen Campus ein!

Außerdem wird sich bedingt durch die Planungen des „Science Campus“ am jetzigen AR-Standort, vieles verändern. An diesem Campus sollen sich Firmen ansiedeln, die aus der Universität heraus entstehen. Bisher ist es nicht eindeutig klar, dass sich diese an die Zivilklausel der Universität halten müssen. Für uns ist es aber von hoher Bedeutung, dass sie es müssen! Der jetzige Minimalkonsens einer Zivilklausel muss für alle auf dem Campus gelten! Wir würden uns hier eine klare Positionierung des Rektorats wünschen, statt verwässerten Aussagen!
Der Busverkehr an und zur Universität ist ständig Thema. Seien es zu volle, zu späte oder Busse die gar nicht fahren. Wir setzen uns dafür ein, dass in der kommenden Legislatur die Taktung der Busse erneut überprüft wird und sich frühzeitig überlegt wird, wie der Busverkehr nach der Interimslösung aussehen muss. Es kann nicht sein, dass die Taktung der Busse bestimmt wie das eigene Studium auszusehen hat, weil es keine Möglichkeit gibt, von einem zum anderen Campus in angemessener Zeit zu kommen. Gerade bei den neuen Entwicklungen in der Oberstadt muss auch jetzt darauf geachtet werden, dass die Haltestellen barrierefrei werden. Busse und Campus müssen für alle erreichbar sein! Ebenso muss mit den Verkehrsbetrieben über die Ausweitung des Tickets auf neue Strecken, sowie die Mitnahme von Personen verhandelt werden. Dabei geht es nicht nur um andere Personen, sondern auch die kostenlose Mitnahme von Fahrrädern. Ein weiterer Punkt zur Ärgernis ist der Zuschlag für die Fahrten der Nachtbusse. Wir setzen uns auch hier dafür ein, dass dieser abgeschafft wird! Ebenso kann es nicht sein, dass in Siegen in der Woche keine Busse nach Mitternacht fahren. Für eine Stadt, die sich Universitätsstadt nennt, ist dies kein gutes Zeugnis. Der Einsatz von späteren Bussen und/oder Nachtbussen in der Woche muss ebenso angesprochen werden!

Wohnen muss bezahlbar bleiben! Bereits in den letzten Jahren hat sich die Wohnssituation (nicht nur für Studierende) verschärft. Hier sind Universität, Studierendenwerk und die Stadt in der Pflicht endlich die Lage zu verbessern, ohne das private Investoren Wohnraum schaffen, der teurer ist als sich viele Studierende leisten können!

Internationales

Aus Geflüchteten sind Kommiliton*innen geworden. Dabei sind aber viele im Deutschkurs als Gasthörer*innen angemeldet und damit, vor dem Gesetz, noch keine vollwertigen Studierenden. Damit haben sie auch weniger Rechte. Dennoch setzen wir uns dafür ein, dass Gasthörer*innen ein ÖPNV-Ticket bekommen, Kinderbetreuung während Sprachkursen angeboten wird, Zugang zum W-LAN und auch eine Erstsemestereinführung (ESE). Wir setzen uns weiterhin für die Möglichkeit eines Studiums für Geflüchtete ein. Im jetzigen AStA gibt es eine Projektstelle „Multilingualität“. Aufgabe ist es wichtige Informationen für Studierende nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch und Französisch bereitstellen zu können. Dieses hat sich unserer Meinung nach bewährt. Viele Kommiliton*innen haben Deutsch nicht als Erstsprache. Wir wollen, dass die Projektstelle auch zukünftig erhalten bleibt.

 

Gegen Rassismus, Diskriminierung und Hass – Für Vielfalt und Diversität!
Rassistische und diskrimierende Vorfälle sind leider auch in der Uni Alltag. Uns ist aufgefallen, dass es vermehrt zu rechten, rassistischen und menschenverachtenden Schmierereien kommt. Wir haben uns im AStA dafür eingesetzt, dass diese so schnell wie möglich entfernt werden. In Zukunft muss dies deutlich schneller passieren! Doch mit entfernen alleine ist es nicht getan! Wir wollen die Studierenden über die Thematik von rechtem Gedankengut aufklären, sensibilisieren und das nötige Handwerkszeug an die Hand geben um selbst gegen rechts aktiv zu werden. Wir positionieren uns als Liste klar gegen jeglichen Rassismus und Nationalismus (in Uni und Gesellschaft)!

Wir setzen uns dafür ein, dass der AStA in der kommenden Legislatur an den Tagen gegen Sexismus und Homophobie teilnimmt! Damit wollen wir eine größere Sichtbarkeit für Themen der Diskriminierung aufgrund von Geschlecht* und sexuelle Orientierung* erreichen und gleichzeitig auch auf die intersektionale Verschränkung beider Kategorien untereinander, aber auch mit weiteren Faktoren wie Klasse, ethnischer Herkunft aufzeigen!
Diskriminierungen jedweder Art haben für uns in der Universität und nirgendwo sonst etwas zu suchen!

An der Universität gibt es bereits viele Anlaufstellen für Studierende, die Diskriminierungen erlebt haben, wie z.B. das Gleichstellungsbüro. Oft stellt der erste Kontakt jedoch eine Hemmschwelle dar. Deswegen wollen wir ähnlich zum Anwesenheitsmelder einen Diskriminierungsmelder einrichten, in dem Studierende sich eintragen können falls sie nicht direkt zu den entsprechenden Stellen gehen wollen. Der AStA soll dann Vermittler*in sein und weiterleiten.
Barrierefreiheit scheint ein endloses Thema zu sein. Weder bei der Planung des Unteren Schlosses noch bei der Interimslösung wurde auf einen barrierefreien Zugang geachtet! Für eine Universität mit einem Schwerpunkt auf Inklusion und dem Motto „Zukunft menschlich gestalten“ halten wir dieses für nicht akzeptabel! Hier muss sich vieles ändern! Die Räume müssen barrierefrei gestaltet werden, alle Studierenden müssen gleichwertig am Leben auf dem Campus partizipieren können! Viele kleinere Verbesserungen lassen sich dabei schnell umsetzen. Zum Beispiel gibt es am Unteren Schloss Türschilder mit Brailleschrift. Wieso dies nicht an allen Campus umgesetzt wird erschließt sich uns nicht! Ab Herbst tritt für Landesbehörden eine Verordnung in Kraft, die leichte/einfache Sprache verpflichtend einführt. Wir fordern, dass die Universität mindestens die grundlegenden Informationen ebenfalls in einfacher Sprache anbietet. Wir setzen uns dafür ein, dass dieses auch in der Verfassten Studierendenschaft umgesetzt wird!

Die Universität ist bereits als familienfreundlich zertifiziert. Ein Zertifikat alleine reicht jedoch nicht aus. Hier sehen wir auch weiterhin Verbesserungsmöglichkeiten wie beispielsweise mehr Familienparkplätze und einen Ausbau der Kinderbetreuung. Auch bei Veranstaltungen der Verfassten Studierendenschaft sollte es nicht an einer Kinderbetreuung scheitern. Deswegen wollen wir hier einen neuen Posten im Haushalt schaffen, aus welchen diese finanziert werden kann.

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